Für gleiche Bezahlung und gegen Rassismus

Vortragsabend der Frauenliste – Erfahrungsberichte von Olga Stettmer und Nurten Basel

Zu einem interessanten Vortragsabend hatte die Frauenliste am Donnerstagabend in die “Wurzlstub’n” eingeladen. Im Vordergrund stand anlässlich des “Equal-Pay-Days” am 18. März das Thema gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Bei der Begrüßung brachte Ingrid Ast ihre Freude über die Anwesenheit der Deutschschüler Viktor, Hashi, Tun Nay und Feroz Khan zum Ausdruck und hieß Olga Stettmer und Nurten Basel willkommen.

Eingangs erklärte Ingrid Ast die Hintergründe für den “Equal.Pay-Day”. Zum dritten Mal in Folge falle dieser auf den 18. März. Seit drei Jahren gebe es keine Fortschritte bei den Bemühungen um die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern: “Die große Politik setzt auf die Freiwilligkeit der Arbeitgeber. Was dabei rauskommt, spürt die Friseurin, die Altenpflegerin und die Krankenschwester in ihrem Geldbeutel.”

Olga Stettmer, Salonleiterin und gelernte Friseurin mit Abitur, war Referentin des Abends. Sie beschrieb zuerst Berufe aus dem Niedriglohnsektor wie Friseurin und Gebäudereinigerin. Betroffene würden häufig die Frage hören: Warum suchen sie sich solche Berufe aus? Frauen werden mittlerweile für MINT-Berufe angeworben, in denen man deutlich mehr verdienen könnte. Es bleibt die Frage, wer dann die Arbeiten von Friseurinnen oder Gebäudereinigerinnen machen soll. Stettmer verglich die Ausbildung einer Friseurin und eines Mechatronikers.

Unterschiedliches Ansehen

Obwohl beide Berufe einem körperlich und kognitiv viel abverlangen, genießen sie ein sehr unterschiedliches Ansehen, einen unterschiedlichen Wert in der Gesellschaft. Generell wären Gleichwertigkeit und Transparenz in der Bezahlung von Vorteil. Familienbedingt unterbrechen oder reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit deutlich häufiger als Männer. Zum Wohle der Kinder und der Familie stellen sie eigene Bedürfnisse zurück. Diese Erwerbspausen erschweren es den Frauen zum einen, wieder zurück in den Beruf zu finden, zum anderen wirken sie sich auch negativ auf die Einkommensentwicklung aus, was Folgen bis hin zur Rente hat

Persönliche Erfahrungen von Frau Stettmer Mit einer kleinen persönlichen Geschichte ging die Referentin auf das Thema Rassismus ein. Mit 21 Jahren kam sie nach Deutschland, hatte das Abitur in der Tasche und zwei Semester Lehramt studiert. 1990 war eine allgemeine Aufbruchstimmung spürbar, in diesem Zuge verschlug es sie nach Wallersdorf. Auf der Suche nach Arbeit landete sie bei Doris Kornherr und fand ihren Traumberuf . Da sie als zweite Fremdsprache Deutsch gelernt hatte, war die Sprache keine Barriere – der bayerische Dialekt schon. Größte Probleme hatte sie zuerst einmal mit dem Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung: “Das kostete sehr viel Nerven und war manchmal verletzend.”

Heute könne sie darüber schmunzeln. In ihren Anfangszeiten sei es passiert, dass ein Kunde sie fragte “Du Haare schneiden können?” – obwohl sie selbst in gutem Deutsch sprach. Auch als sie bejahte und normal weitersprach, redete er wiederum in gebrochenem Deutsch mit ihr, schließlich nahm sie seine Art zu sprechen auf. Der Kunde kam nie wieder. Sie empfiehlt, mit Ausländern ganz normal zu sprechen, nur so könnten diese die Sprache erlernen. Auch bei der Wohnungssuche hatte sie Probleme, doch mit Hilfe ihrer Chefin ging es aufwärts.

Zuhause fühlen und Heimat empfinden

Nach diesen Ausführungen befragte Susanne Unger die Türkin Nurtin Basel, die aus Istanbul kommt. Basel ist seit zehn Jahren in Deutschland und ist mit ihrem Mann selbständig. Durch einen Zufall sei sie nach Wallersdorf gekommen. “Fühlen sie sich hier zu Hause?’|, wollte Unger wissen. Sowohl Basel als auch Stettmer betonten, dass sie sich in Wallersdorf zu Hause fühlen, aber ihre Heimat jeweils dort ist, wo die Eltern leben, in ihren Herkunftsländern:”In Wallersdorf leben nette Leute und es geht uns gut, so dass es keinen Grund gibt, von hier wegzuziehen.”

Danach wurden noch die Deutschschüler vorgestellt. Feroz Khan kommt aus Afghanistan und ist wegen des Krieges geflüchtet. Er lebt seit fünf Jahren hier und hat keine Arbeitserlaubnis, obwohl er gelernter Maler ist und sehr gerne arbeiten würde. Tun Nay kommt aus Myanmar, ist aus religiösen Gründen geflüchtet und wurde mittlerweile leider abgeschoben. Die Deutschlehrerinnen bedauerten dies sehr. All ihr Bemühen wurde so sinnlos. Hashi aus Somalia und Viktor aus Sierra Leone lernen beide sehr fleißig die deutsche Sprache, die Sitten und Gebräuche. Alle vier wissen, dass sie den Deutschen viel verdanken, würden gerne arbeiten und hierbleiben. Die ungewisse Zukunft ist sehr belastend für sie.

Abschließend konnten noch Fragen gestellt werden und man trennte sich mit dem Fazit, dass alle Menschen gleich viel wert sind, ganz egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe und welcher Herkunft sie sind. In der anschließenden Ausschusssitzung wurden die letzten Aktionen der Frauenliste, die Datenschutzverordnung, die Gestaltung der Homepage und das Marktgeschehen besprochen. Mit Claudia Stangl aus Altenbuch wird es demnächst eine Reihe interessanter Veranstaltungen und Seminare geben. Bis zum nächsten Treffen will man sich überlegen, wie man sich beim Ferienprogramm des Marktes beteiligt.

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