Sind die Bayern Rassisten?

Frauenliste lud MdL Rosi Steinberger ein, um über Alltagsrassismus zu sprechen

Alle zwei Jahre untersucht die Universität Leipzig in ihrer „Mitte-Studie“, wie verbreitet rechtsextreme Einstellungen in den deutschen Ländern sind. Das Ergebnis für Bayern ist erschreckend. Aus diesem Grund lud die Frauenliste MdL Rosi Steinberger in die Marktgemeinde ein, um über das Thema Alltagsrassismus zu sprechen.

Stellvertretende Beauftragte Susanne Unger hieß am Freitagabend in der Osteria Nerone Referentin MdL Rosi Steinberger und die Gäste willkommen. Zwischen 2013 und 2015 haben sich Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte versechsfacht. 65 politisch motivierte Anschläge passierten im Jahr 2016. Die Aufklärungsquote ist gering und im Vergleich zum Jahr 2010 ist die rechtsextreme Gewalt um 89 Prozent angestiegen. „Wir begehen gerade die internationalen Wochen gegen Rassismus“, aus diesem Grund sprach MdL Rosi Steinberger mit den Anwesenden über Rassismus und offene Gesellschaft. Was bedeutet eigentlich„offene Gesellschaft“? Vielen Menschen ist es wichtig, in einem vereinten Europa zu leben. Menschenrechte, Freizügigkeit und Recht auf freie Meinungsäußerung sind selbstverständlich.„Wir nehmen sie als etwas Selbstverständliches wahr und bemerken erst, wie gefährdet unsere Demokratie ist, wenn sich die Nachrichten aus Polen, Ungarn oder der Slowakei häufen, für die diese Selbstverständlichkeiten nicht mehr gelten“, erklärte Rosi Steinberger. Sich der Tatsache bewusst, dass sich internationale Beziehungen hier auf 1okaler Ebene natürlich nicht beeinflussen lassen, sagte MdL Steinberger, man kann die offene und liberale Gesellschaft vor Ort verteidigen. Denn Veränderungen beginnen immer klein und anfangs auch unbemerkt, so wie der unbemerkte und harmlose Rassismus im Alltag.

Niemand wird von sich behaupten, er oder sie wäre ein Rassist. Rassismus wird in unserer Gesellschaft eigentlich immer einer bestimmten Personengruppe zugeschrieben, die man mit Neonazis in Verbindung bringt, oder zumindest mit der AfD. Rassismus gibt es auch nicht in Niederbayern, eher schon in Ostdeutschland. So zumindest der weit verbreitete Glaube. Und ein Rassist handelt immer mit Absicht. MdL Rosi Steinberger holte weiter aus. „Aber Rassismus passiert oft unbewusst. Es muss keine rassistische Absicht dabei sein, wenn Schwarze Menschen immer wieder gefragt werden, wo Sie herkommen. Und wenn die Antwort lautet: Aus Leipzig, dann kommt sofort die zweite Frage: Aber woher wirklich? Und es wird erst dann Ruhe gegeben, wenn endlich im Stammbaum ein afrikanisches Land genannt wird. “ Wörter wie Flüchtlingsstrom oder Migrationswelle werden inzwischen international geläufig benutzt, auch von hochrangigen europäischen Politikern. Aber auch weitaus weniger eindeutige rhetorische Metaphern, wie etwa die Abschiebung oder Umverteilung von Migranten, die so zu bewegbaren Objekten werden, durchdringen unsere Sprache. MdL Rosi Steinberger: „Es ist deshalb wichtig, dass wir sensibel werden für Rassismus in der Sprache. Dass wir die offene Gesellschaft auch im Kleinen verteidigen.“

Die Anwesenden diskutierten konstruktiv. Die Frage „Wo kommst du her?“ verstand man eher als Interesse der anderen Person gegenüber. Manchmal kann allerdings auch ein Kompliment, „Sie sehen aber exotisch aus. Sie können bestimmt gut tanzen“, für das Gegenüber verletzend sein. Bedenklich stuften alle die ultrarechten Gruppierungen, die in Niederbayern auftauchen, ein. Gefährlich ist ebenfalls, dass Gruppen unterschwellig rechtes Gedankengut in sozialen Netzwerken vermitteln, denn für viele Jugendliche ist das Internet die einzige Nachrichtenquelle. Weil viele junge Menschen ein Leben ohne die Vorteile der EU gar nicht kennen, schätzen sie die Errungenschaften nicht mehr wert. Forderungen an die Politik seien etwa mehr Demokratiebildung in Schulen oder Kommunen und Kirchen besser zu unterstützen.

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